Glück und Zufriedenheit – zwei Begleiter fürs ganze Leben

Glück und Zufriedenheit gehören zu den großen Themen des Lebens. Wahrscheinlich hat sich jeder schon einmal gefragt: Wann bin ich endlich glücklich? Oder: Warum fällt es mir so schwer, zufrieden zu sein? Fast unbemerkt begleiten uns diese Fragen über viele Jahrzehnte. Mal stehen sie im Vordergrund, manchmal geraten sie in den Hintergrund. Ganz verschwinden sie jedoch nie.

Glück und Zufriedenheit – zwei Begleiter fürs ganze Leben

Was macht uns glücklich und zufrieden?

Mit inzwischen 63 Jahren durfte ich beide Seiten erleben. Es gab Zeiten voller Freude und Leichtigkeit, aber ebenso Phasen, in denen das Leben alles andere als leicht war. Besonders meine Angststörung mit den heftigen Panikattacken hat mir gezeigt, was es bedeutet, sich wirklich unglücklich zu fühlen. Damals drehte sich fast jeder Gedanke darum, endlich wieder glücklich zu werden. Rückblickend war genau diese Suche das eigentliche Problem. Je verzweifelter ich versuchte, dieses Gefühl festzuhalten oder zurückzuholen, desto weiter schien es sich von mir zu entfernen. Meine Frage war: Kann ich trotz Angst glücklich sein?

Glück ist kein Dauerzustand

Heute sehe ich Glück ganz anders. Früher war ich überzeugt, dass Glück möglichst dauerhaft sein sollte. Ein Leben ohne Sorgen, ohne Rückschläge und mit möglichst vielen schönen Momenten hintereinander – das klang verlockend. Inzwischen glaube ich jedoch, dass genau das gar nicht funktionieren kann. Würde sich ein Glücksgefühl an das nächste reihen, würde es  selbstverständlich werden. Etwas, das ständig vorhanden ist, verliert seinen besonderen Wert. Vielleicht benötigen wir deshalb auch schwierige Zeiten, damit wir die schönen Augenblicke überhaupt wieder bewusst wahrnehmen können.

Glück entsteht oft ganz plötzlich. Es lässt sich weder planen noch erzwingen. Manchmal steckt es in einem Gespräch mit einem engen Freund, in einem sonnigen Morgen oder in einer kleinen Nachricht, mit der niemand gerechnet hat. Andere empfinden Glück nach einer Wanderung, einem erfolgreichen Lauf oder einer Beförderung im Beruf. Jeder erlebt diese Momente auf seine ganz persönliche Weise. Genau deshalb gibt es auch kein allgemeines Rezept für ein glückliches Leben.

Erfahrungen verändern den Blick auf das Glück

Während meiner Angststörung veränderte sich mein Blick auf das Glück vollständig. Mein einziges Ziel bestand damals darin, wieder ohne Angst leben zu können. Lange Zeit kämpfte ich gegen die Angst an. Erst als ich lernte, sie zu akzeptieren, entstanden langsam wieder kleine Lichtblicke. Jeder Fortschritt, so klein er auch war, fühlte sich plötzlich wie ein Erfolg an. Daraus entwickelten sich wieder Glücksmomente. Keine großen Sensationen, sondern kleine Schritte zurück ins Leben.

Heute freue ich mich über Dinge, die früher selbstverständlich waren. Ein gemütlicher Abend mit Freunden, gemeinsames Lachen oder einfach das gute Gefühl, mitten im Leben zu stehen, haben für mich inzwischen einen viel höheren Wert.

Zufriedenheit wächst mit der Zeit

Noch wichtiger als das Glück ist für mich inzwischen die Zufriedenheit geworden. Beide Begriffe werden häufig in einem Atemzug genannt, dabei unterscheiden sie sich deutlich voneinander. Glück ist oft intensiv, emotional und manchmal nur von kurzer Dauer. Zufriedenheit dagegen wirkt viel ruhiger. Sie begleitet den Alltag und entsteht nicht durch einen einzigen besonderen Moment, sondern wächst langsam über viele Jahre. Am Abend zufrieden auf den Tag zurückzublicken, empfinde ich heute als viel wertvoller, als ständig nach dem nächsten Glücksgefühl zu suchen.

Mit der Zeit habe ich außerdem erkannt, wie eng Zufriedenheit und Dankbarkeit miteinander verbunden sind. Früher richtete sich mein Blick häufig auf das, was noch fehlte. Noch ein Ziel erreichen, noch etwas schaffen oder endlich den einen Wunsch erfüllen. Heute schaue ich viel häufiger auf das, was bereits gelungen ist. Gesundheit, soweit sie möglich ist. Menschen, die mir wichtig sind. Erfahrungen, die mich geprägt haben. Diese Sichtweise verändert erstaunlich viel. Dankbarkeit macht das Leben nicht perfekt, aber sie hilft dabei, das Gute überhaupt wahrzunehmen.

Erwartungen und Vergleiche machen selten glücklich

Natürlich dürfen wir Wünsche und Ziele haben. Problematisch wird es erst dann, wenn unser Glück ausschließlich davon abhängt, dass sich alles genauso entwickelt, wie wir es uns vorgestellt haben. Das Leben hält sich selten an unsere Pläne. Manche Wünsche erfüllen sich, andere nicht. Genau darin steckt oft die größte Enttäuschung. Wer akzeptiert, dass nicht alles kontrollierbar ist, erlebt Rückschläge häufig etwas gelassener.

Eine weitere Erfahrung hat mein Leben ebenfalls bereichert: Es lohnt sich, immer wieder etwas Neues zu wagen. Mit Anfang 60 hätte ich nie gedacht, dass ich mich einmal intensiv mit WordPress, Webseiten und dem Bloggen beschäftigen würde. Anfangs war vieles kompliziert. Oft wusste ich nicht weiter und musste mich durch unzählige neue Themen arbeiten. Trotzdem hat mir genau diese Herausforderung neue Energie gegeben. Es entstand das schöne Gefühl, wieder dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln. Auch das trägt für mich ganz wesentlich zur Zufriedenheit bei.

Ebenso wichtig war die Erkenntnis, mich selbst besser anzunehmen. Niemand ist perfekt. Jeder Mensch bringt Stärken, Schwächen, Eigenheiten und Fehler mit. Früher habe ich mich häufiger mit anderen verglichen. Heute weiß ich, dass solche Vergleiche selten glücklich machen. Viel hilfreicher ist es, den eigenen Weg zu gehen und sich über die Dinge zu freuen, die bereits gelungen sind.

Loslassen schafft Platz für Neues

Schließlich gehört auch das Loslassen dazu. Enttäuschungen, Fehler oder Ereignisse aus der Vergangenheit lassen sich nicht mehr verändern. Trotzdem halten viele Menschen lange daran fest und hoffen insgeheim, doch noch etwas rückgängig machen zu können. Später wurde mir klar, dass Loslassen nicht bedeutet, aufzugeben, sondern Frieden mit dem zu schließen, was nicht mehr zu ändern ist. Erst dadurch entsteht Platz für neue Erfahrungen und neue Glücksmomente.

Fazit

Glück ist für mich heute kein Dauerzustand mehr, sondern ein wertvolles Geschenk für besondere Augenblicke. Zufriedenheit dagegen wächst langsam und trägt durch den Alltag. Dankbarkeit verbindet beides miteinander. Wer lernt, die kleinen Dinge wertzuschätzen, die eigenen Erwartungen etwas realistischer zu halten und den eigenen Weg anzunehmen, entdeckt oft, dass das Leben schon viel mehr bereithält, als zunächst sichtbar ist. Genau deshalb ist die Zufriedenheit für mich heute der eigentliche Anker im Leben und vielleicht sogar wertvoller als das große Glück. Meine Lebenserfahrungen im persönlichen/privaten Bereich, aber auch im Job haben mir deutlich gemacht, dass Zufriedenheit und Dankbarkeit auch motivierend sind. Es ist zielführender, als ständig die eigenen Erwartungen nach oben zu schrauben.