Jugendwort des Jahres –die Sprache der Jugendlichen
Kaum werden die neuen Jugendwörter vorgestellt, sitzen wir Erwachsenen davor und fragen uns: „Was soll das denn jetzt schon wieder heißen?“ Ich gebe ganz offen zu, dass ich bei manchen Begriffen vollkommen ratlos bin. Manchmal lese ich ein Wort sogar zweimal und denke: Das kann doch unmöglich ernst gemeint sein.


Jugendwörter – die Sprache verändert sich schnell
Früher waren wir doch genauso
Auch wir hatten Wörter, mit denen unsere Eltern nichts anfangen konnten. „Cool“, „krass“, „geil“ oder später „mega“ gehörten ganz selbstverständlich zu unserem Wortschatz. Für die ältere Generation klang das damals vermutlich genauso merkwürdig wie für uns heute Begriffe aus TikTok oder der Gaming-Welt. Wir leben schließlich im Zeitalter des Smartphones.
Der Unterschied liegt eigentlich nur darin, dass sich Sprache heute unglaublich schnell verändert. Früher dauerte es Monate oder sogar Jahre, bis sich ein neuer Ausdruck herumsprach. Heute genügt manchmal ein einziges Video auf TikTok, und plötzlich benutzt ihn gefühlt jeder Jugendliche. Da kommt selbst jemand, der sich eigentlich noch für recht modern hält, kaum noch hinterher.
SIX SEVEN – was ist das?
Ganz ehrlich? Die Antwort ist überraschend einfach. So genau weiß das offenbar niemand.
„Six seven“ gehört zu den zehn Kandidaten für das Jugendwort des Jahres 2026 und wird in den unterschiedlichsten Situationen verwendet. Mal passt es als Reaktion auf etwas Lustiges, mal auf etwas Überraschendes und manchmal scheinbar einfach nur so. Häufig wird dazu sogar eine typische Handbewegung gemacht, bei der beide Hände abwechselnd nach oben und unten gehen.
Das Verrückte daran: Gerade, weil der Ausdruck keine feste Bedeutung hat, scheint er bei vielen Jugendlichen besonders beliebt zu sein.
Der Trend stammt ursprünglich aus den USA und wurde vor allem über TikTok, Basketball-Memes und einen Rap-Song bekannt. Wer den Begriff benutzt, zeigt weniger, was er sagen möchte, sondern eher, dass er den aktuellen Trend kennt.
Früher musste ein Wort wenigstens noch eine halbwegs verständliche Bedeutung haben. Heute reicht es offenbar manchmal schon aus, wenn alle anderen es ebenfalls benutzen.
Jugendsprache verändert sich
Neben „six seven“ stehen noch neun weitere Begriffe zur Wahl. Manche lassen sich noch recht gut verstehen, andere wirken auf den ersten Blick genauso rätselhaft.
Mit „Crashout“ beschreibt man beispielsweise jemanden, der komplett die Nerven verliert oder besonders emotional reagiert. „Peak“ steht für etwas, das kaum noch besser werden kann. „Ragebait“ bezeichnet Beiträge im Internet, die absichtlich provozieren, damit möglichst viele Menschen darauf reagieren.
Dann gibt es Begriffe wie „Schere“, was in der Jugendsprache einfach „Mein Fehler“ oder „Sorry“ bedeutet. „Süper“ stammt aus dem Türkischen und heißt nichts anderes als „super“. Der Ausdruck „Gute Käse“ hat übrigens überhaupt nichts mit Käse zu tun. Gemeint ist damit lediglich, dass etwas richtig gut gelungen ist.
Und natürlich taucht auch ein alter Bekannter wieder auf. „Digga“ begleitet Jugendliche inzwischen schon seit Jahren und scheint einfach nicht aus der Mode zu kommen.
Muss ich das alles eigentlich verstehen?
Diese Frage habe ich mir tatsächlich gestellt. Die Antwort lautet für mich inzwischen ganz klar: Nein.
Natürlich interessiert mich, warum Jugendliche bestimmte Wörter benutzen. Schließlich verrät Sprache immer auch etwas über eine Generation.
Stell dir einmal vor, ich würde plötzlich beim Bäcker stehen und sagen: „Das Brötchen ist wirklich gute Käse.“
Ich glaube, die Verkäuferin würde mich ziemlich verwundert anschauen.
Manche Wörter verschwinden schneller, als sie gekommen sind
Wenn man ein paar Jahre zurückblickt, fällt etwas Interessantes auf.
Erinnerst du dich noch an YOLO, Swag, Smombie oder Läuft bei dir? Damals hörte man diese Begriffe überall. Heute benutzt sie kaum noch jemand.
Andere Wörter haben dagegen den Sprung in unseren normalen Sprachgebrauch geschafft. „Cringe“, „Lost“ oder sogar „Digga“ hört man inzwischen längst nicht mehr nur von Jugendlichen.
Genau deshalb würde ich nie wetten, welches Jugendwort bleibt und welches in wenigen Monaten schon wieder vergessen ist.
Vielleicht spricht nächstes Jahr niemand mehr von „six seven“. Vielleicht gehört der Ausdruck aber auch in fünf Jahren ganz selbstverständlich dazu.
Sprache hat sich doch schon immer verändert
Je älter ich werde, desto entspannter sehe ich das Ganze.
Früher dachte ich manchmal, die deutsche Sprache müsse möglichst unverändert bleiben. Heute glaube ich eher das Gegenteil. Sprache lebt davon, dass sie sich verändert. Jede Generation bringt neue Wörter hervor, während andere langsam verschwinden.
Das war schon immer so und wird wahrscheinlich auch in Zukunft so bleiben.
Vielleicht sollten wir Erwachsenen deshalb gar nicht versuchen, jedes Jugendwort zu verstehen. Viel spannender finde ich die Frage, warum Jugendliche überhaupt ihre eigene Sprache entwickeln. Wahrscheinlich möchten sie genau das, was wir früher ebenfalls wollten: dazugehören, sich von den Erwachsenen unterscheiden und einfach ihre eigene Art haben, miteinander zu sprechen.
Irgendwie ist das doch sogar ganz sympathisch.
Und wer weiß? Vielleicht sitzen die Jugendlichen von heute in dreißig Jahren selbst kopfschüttelnd vor den Jugendwörtern ihrer Kinder oder Enkel und fragen sich: „Was soll das denn jetzt schon wieder heißen?“
Ich bin ziemlich sicher, dass genau dieser Moment später kommen wird.
